
MOTORPSYCHO – Motorpsycho
2025 (Det Nordenfjeldske Grammofonselskab) - Stil: Rock
Mit ihrem selbstbetitelten Album schreiten MOTORPSYCHO in eine neue Ära. Erst trennen sie sich von allen noch mit ihnen verbundenen Plattenlabels. Dann treffen Hans Magnus Ryan und Bent Sæther die folgenschwere Entscheidung, in Zukunft nur noch als Duo zu agieren, so dass sie bei ihren künftigen Live-Auftritten auf ihren musikalischen Freundeskreis angewiesen sind.
… And Then There Were Two …
Befreit von allen Zwängen spielen die norwegischen Rock-Veteranen mit einer gewohnt breiten Palette an Musikstilen, samt genreübergreifender Eskapaden über 81 Minuten lang frische Klanglandschaften ein.
´Motorpsycho´ bedient in ´Lucifer, Bringer Of Light´ oder ´Laird Of Heimly´ mit verträumten, schwebenden Gitarren, ausufernden Instrumentalpassagen und spacigen Klangtexturen den Psychedelic Rock, mit langen komplexen Strukturen und instrumentaler Virtuosität in ´Neotzar (The Second Coming)´ oder ´Balthazaar´ den Progressive Rock.
Dem bluesigen, groovigen Vibe des klassischen Hard Rock der 70er widmen sich MOTORPSYCHO in ´Stanley (Tonight’s The Night)´ oder in ´The Comeback´ samt Stoner Rock, dem Krautrock in ´Three Frightened Monkeys´ oder ´Lucifer, Bringer Of Light´ mit hypnotischen Basslinien und einer fast tranceartigen Repetition.
Daneben erinnern in ´Core Memory Corrupt´ und ´Dead Of Winter´ eingängige Melodien und melancholische Untertöne an Alternative Rock & Grunge, in ´Laird Of Heimly´ akustische Gitarren, sanfter Gesang und Streicher an Folk & Singer-Songwriter sowie in ´Neotzar (The Second Coming)´ offene, fließende Strukturen oder schräge, experimentelle Momente sogar an Jazz & Avantgarde.
Somit ist ´Motorpsycho´ ein wahres Manifest der musikalischen DNA von MOTORPSYCHO, ein abenteuerlicher Trip durch die Klangwelten von Bent Sæther und Hans Magnus Ryan.
Sie singen dabei über die verlorene Menschheit und die Suche nach einem Führer, wobei alle Hoffnungen in den Lichtbringer gesetzt werden (´Lucifer, Bringer Of Light´). Letztlich steuert die Welt auf die Apokalypse zu, biblische Zerstörungen, Erdbeben, Plagen und brennende Städte, lassen niemanden entkommen, denn der Lauf der Dinge ist vorherbestimmt, der vermeintliche Erlöser der Antichrist (´Neotzar (The Second Coming)´).
… I can rule my own world again …
Im zehnminütigen klassischen Auftakt ´Lucifer, Bringer Of Light´ jagen und singen sich besonders die Gitarren zwischen Krautrock und Psychedelia durch die epische Solopassage. Dagegen entzücken in der verträumten, beinahe hypnotischen Folk-Atmosphäre von ´Laird Of Heimly´, mit Akustikgitarre, Percussions und Streicherarrangement, insbesondere die sanften Gesangsharmonien, während sie auf ihre ureigene Art und Weise in ´Stanley (Tonight’s The Night)´, mit einem Tribut an Paul Stanley im Titel, den Siebzigerjahre Hardrock treibend zelebrieren und in ´The Comeback´ aus dem harten, bluesigen Riff experimentell ausbrechen.
Beim elfminütigen Groove-Monster ´Balthazaar´ schieben sie bei aller Epic immer wieder Medieval-Synth-Prog-Motive ein. In der sich anschließenden, minimalistischen und finsteren Ballade ´Bed Of Roses´ sticht der angekratzte Gesang hervor. Das einundzwanzigminütige Prog-Monster ´Neotzar (The Second Coming)´ ist dann ein wilder Ritt durch verschiedene Stimmungen und Klanglandschaften, anfangs mit dem Gastgesang von Thea Grant am Piano, gefolgt vom epischen Ausritt im feurigen Hardrock bis zum Krautrock.
Daher weckt trotz aller Verspieltheit im Vergleich dazu die eingängige Gitarrenmelodie von ´Core Memory Corrupt´ eher die Neunzigerjahren aus ihren Träumen. Der achtminütige Groove ´Three Frightened Monkeys´ zwischen Krautrock und Psychedelia zeigt allerdings nochmal die jam-freudige Seite von MOTORPSYCHO, solange sich die Instrumente unendlich umkreisen mögen, bis der melancholische und atmosphärisch dichte Abschluss ´Dead Of Winter´ seine schwermütigen Indie Rock-Elemente ausklingend zur Sprache bringt.
(8,5 Punkte)
https://www.facebook.com/motorpsycho.official
https://motorpsycho.bandcamp.com/album/motorpsycho
Pic: Espen Haslene