
Die anno 1981 gegründete britische Rockband IQ setzt auch auf ihrem dreizehnten Studioalbum ausschließlich auf Qualität. Nur das auserlesenste Songmaterial der vergangenen sechs Jahren erblickt auf ´Dominion´ anno 2025 das Licht der Welt.
In bekannter und beinahe in Urbesetzung, Peter Nicholls (Gesang), Mike Holmes (Gitarre), Tim Esau (Bass), Paul Cook (Drums) und Neil Durant (Keyboards), präsentieren IQ ihren unverkennbaren Sound, der auch auf ´Dominion´ in subtiler Spannung und in raffinierter Reife eine kraftvolle Atmosphäre aufbaut und eine tiefe emotionale Bindung mit dem Hörer sucht.
Inspiriert von dem Gedicht „And death shall have no dominion“ des walisischen Dichters Dylan Thomas empfehlen die Briten jedem Einzelnen von uns, das Beste aus unserem selbstbestimmten Leben zu machen.
Ihr bislang längster Eröffnungssong ´The Unknown Door´ wählt auf seiner poetischen und vielschichtigen Reise über beinahe 23 Minuten als Ausgangspunkt die beunruhigende Kriegserklärungsrede Neville Chamberlains. Die Suche nach der verborgenen Tür führt durch die Dunkelheit in die Vergangenheit, gefolgt von einer unterschwelligen Bedrohung in feindseliger Umgebung, Konflikten zwischen Erinnerung und Realität (“Fly from the Westland to keep me here.”), ehe sich eine neue Perspektive mit neuen Möglichkeiten eröffnet. Doch die alles entscheidende Frage bleibt offen: “Who should find this unknown door?”
Zur musikalischen Erwiderung folgt die akustische Komposition ´One Of Us´, samt klassischem Picking durch Mike Holmes und ergreifendem Gesang von Peter Nicholls, in der Reflexion über verpasste Chancen, verlorene Möglichkeiten und das Bedauern über vergangene Entscheidungen. Bezogen auf eine gescheiterte Liebesbeziehung gelingt es mitunter nur einem, sich aus dieser zu lösen: “One of us made the other side.”
Die Stimmung wird in ´No Dominion´ sogleich grüblerisch, bei dem Streben nach Veränderung oder bei der Frage, ob das eigene Handeln in letzter Konsequenz einen Unterschied macht, doch die Keyboard-Motive von Neil Durant und das Gitarrensolo von Mike Holmes reißen den Hörer immer wieder aus dem drohenden Schicksal heraus.
Die hochemotionale Reise setzt sich mit ´Far From Here´ über 12 Minuten fort, Identitätskonflikte und die innere Zerrissenheit bestimmen das Leben des Einzelnen in einer sich ständig verändernden Welt (“I should have stayed far from here.”). Allmählich steigert sich die Instrumentierung über die 8 Minuten von ´Never Land´, bis sie sich dramatisch entfalten kann. Mit der Zeit verblassen die Tage, die Erinnerungen jedoch nicht. Erlebnisse und Gefühle bleiben selbst nach dem Verschwinden einer geliebten Person präsent: “A life gone by before my eyes.”
Äußerst atmosphärisch und zutiefst emotional, äußerst düster und sentimental erfinden sich IQ ein Stück weit neu, ohne sich allerdings von den Errungenschaften ihrer über vier Jahrzehnte andauernden Historie sowie den der letzten Werke abzuwenden. ´Dominion´ ist ein beeindruckendes und emotional berührendes Werk, das tiefgehende Texte mit atmosphärischen Klanglandschaften verknüpft, in einer fast epischen Größe.
(9 Punkte)