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THE GLADLY BEYOND – From The Alley Of Failed

2025 (Seperated Beats) - Stil: Independent Rock

Was gibt es an neuer Rockmusik aus Schleswig Holstein? Ich meine, ich beschwere mich immer über die regionale Szene und deren Musik abseits meiner Interessen oder meines Qualitätsanspruchs. Und dann haut mir mein alter Spezi Malte “Waldmeister” Strzysio mit seiner in Neumünster ansässigen Kapelle THE GLADLY BEYOND einen um die Ohren.

Der alte Recke hat sich mit seinen Boys einem entspannten Sound verschrieben. Hätte auf kräftiger brummende Stoner- und Grunge-Sounds getippt, eher Wüste Kaliforniens und Holzfällerhütte in Seattle, aber das hier ist komplett die andere Ecke. Leichtfüßigkeit schützt natürlich vor Klasse nicht.

Was haben wir? Sechs Songs, 26:41 min, perfekte EP Länge. Und ein Stil, den man als Indierock, Beat, Garagerock Mix bezeichnen kann. Leichtfüßig tänzeln die Rhythmen umher und auf ihnen reiten die verträumt versponnen klingenden Melodien.

Sofort geht es knapp 35 Jahre in der Zeit zurück an britische Pophotspots wie Manchester, wo derlei beschwingter Gitarrenrock mit eindeutigem Popappeal seine Wellen schlug. Der Undergroundbezug ist aber durchaus spürbar bei THE GLADLY BEYOND, denn das Fuzzpedal kommt doch hier und da zum Einsatz und die tatsächlich fröhlichen und tanzbaren Songs haben doch eine ordentliche Tiefe.

Vielleicht ist das meine Interpretation, weil ich im Grunde ein 60s Beat / Pop / Psyche Fan bin und mit 90er Musik immer so ein wenig auf Kriegsfuß stand, entsprechend nicht viele moderne Gitarrenpopsachen kenne. Aber das Feeling, der Spirit des Ausprobierens, auch wenn sie ihrer Linie immer treu sind, die oberflächliche Gefälligkeit, welche sich bald in einen Gefühlsrausch steigert, das bringt mir Bilder von bunten Typen in kleinen schwitzigen Clubs in England vor Augen.

Wie gut, dass ich so bildhaft Musik höre. Diese Art zu singen, das ist doch Madchester 1990 pur. Dieses Schweben auf dem Grundgerüst, wo gerade Bass und Gitarre leidenschaftlich miteinander tanzen. Für die aus der Reihe tanzende Ska meets Punk-Nummer ´The Die Is Cast´ geht es etwas nach Süden Richtung Coventry 1981 für den Ska und Los Angeles für den Punk.

Ansonsten bleibt das Bild sehr homogen. Rhythmen ändern sich, vielleicht die Geschwindigkeit, aber der verträumte, versponnene Gesamtsound besteht fort. Gerade die fuzzigen Momente der Leadgitarre kitzeln Deine Sinne, aber die allgemein verspielte und trotz großer Eingängigkeit nie schnurgerade ausgerichtete Musik hat auch abseits dessen stets genau das Fünkchen Irrsinn, einen Musikliebhaber zu begeistern und gleichzeitig die Clubgänger auf den Dancefloor zu treiben.

Smooth und anspruchsvoll haben THE GLADLY BEYOND hier wahrscheinlich ganz ungewollt die Retrokeule 1990 ausgepackt und damit für den kommenden Sommer eine saugute Partyplatte gezimmert. Ich habe selbst als in dieser Richtung unbedarfter Musikgenießer meine helle Freude und lasse mich gerne von den Grooves und Melodien verführen. Well done, alter Freund.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/thegladlybeyond/
https://www.facebook.com/separatedbeats


(VÖ: 5.04.2025)

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