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MASTERS OF REALITY – The Archer

2025 (Mascot Records) - Stil: Rock

Und wieder springen sie auf den rollenden Zug zwischen Genie, Wahnsinn und verdammt gutem Rock’n’Roll. Die MASTERS OF REALITY setzen nach 16 Jahren ihre qualmend stinkende Reise überraschend fort. Sänger und Gitarrist Chris Goss öffnet die Türen zum nächsten Waggon auf der mittlerweile mehr als 40 Jahre andauernden Reise.

Schließlich ebnet er seit den Achtzigerjahren den musikalischen Weg für MASTERS OF REALITY, als er über experimentelle Recording-Sessions mit Lo-Fi-Sound den Weg zum bluesigen und psychedelischen Hardrock fand. BLACK SABBATH, CREAM und KING CRIMSON waren fortan die Vorbilder. Rick Rubin bekam ihr Demo zu hören und der Rest ist Geschichte, ihre Alben ´Masters Of Reality´ (1989) und ´Sunrise On The Sufferbus´ (1992) längst Klassiker und MASTERS OF REALITY der reine Kult.

Und Chris Goss wurde nicht nur als einflussreicher Produzent von QUEENS OF THE STONE AGE, KYUSS oder FOO FIGHTERS selbst zur Legende.

In der Gegenwart knallt der Zug mit den MASTERS OF REALITY allerdings nicht mit voller Wucht gegen den nächsten Prellbock. Der offene Waggon lässt zur Zeit einen nebligen Duft entweichen, während seine Insassen das Jetzt und das Hier in einem letzten Rausch genießen. Die harten Desertrock- und Psychedelicrock-Riffs leben mehrheitlich eher in den vorhergehenden Waggons fort.

Die MASTERS OF REALITY, aktuell mit Gitarrist Alain Johannes, Schlagzeuger John Leamy und Bassist Paul Powell, besingen auf ihrem siebten Studioalbum ´The Archer´ die persönlichen Geschichten des Einzelnen. Denn ein jeder erlebe derzeit sein eigenes “Gethsemane”, so Sänger und Gitarrist Chris Goss.

Hypnotisch, ergreifend, ätherisch, Blut schwitzend.

Die Räder des Zuges rattern und rattern, bis man sie irgendwann höchstens noch zwischen den Liedern von ´The Archer´ vernimmt.

Tiefenentspannt dröhnt der imposante Titelsong ´The Archer´ aus den Lautsprechern, schwingt und flimmert in der schwülen Hitze des Tages, ohne Unterbrechung gefolgt vom leichtfüßigen und lockeren ´I Had A Dream´ zum Auffinden des letzten Akkords.

Im gesamten Schmerz des Lebens wiegt sich ´Chicken Little´ zum Slow-Dance. Und bei jedem Lied weinen die Tonfolgen buchstäblich ihr Leid in die weite Welt hinaus. Gitarre links, Gitarre rechts, der gelöste Groove von ´Mr. Tap n’ Go´ posaunt seine Tanzschritte unter die Menschheit.

Gemächlich zurückhaltend, aber kurz vor dem Abheben in ´Barstow´, dann mit Akustikgitarre und Pop-Melancholie im herrlichen ´Sugar´ mächtig der Zukunft entgegen, versinkt allerdings ´Powder Man´ wieder in der Melancholie des Artrock.

Langsam kriechend, zu orientalischem Tonfall, singt das wundervolle ´It All Comes Back To You´ mit ganzer Kraft im puren Wohlklang. ´Bible Head´ rockt, rattert und donnert schließlich ein letztes Mal harmonisch und quietschend aus den Lautsprechern.

Die schmauchende und rußende Reise von MASTERS OF REALITY wird nach Lage der Dinge freilich noch ein paar Jährchen ihren Weg fortsetzen.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/mastersofreality
https://mastersofreality.bandcamp.com/album/the-archer


Pic: Alex Solca

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