PlattenkritikenPressfrisch

DYING MEN – High Hopes & Low Tunes

2024 (Witches Brew) - Stil: Doom

Die gute Cheryl von “Witches Brew” hat ein Herz für hardrockende und schwermetallische Underdogs aus aller Welt, obwohl daheim die Katzenarmada regiert. Mit den 2018 in Fürth gegründeten DYING MEN ist sie da wahrlich auch nicht auf den Hund gekommen.

Die Gegend um Nürnberg und Fürth ist mir noch gut als Nährboden für Doom, Heavy Rock und Retrorock in Erinnerung mit einigen coolen Szenetypen, die ich vor rund 20 Jahren, eher mehr, zu verschiedenen Gelegenheiten bei den kultigen Events traf. Umso erfreulicher, dass sich dort auch 2024 bzw. inzwischen 2025 noch eine Menge regt.

Auch die DYING MEN haben sich Musik verschrieben, die frei nach Klaus Lage tausendmal gehört wurde, aber Abwechslung genug bietet und bei allem Festkrallen an den Traditionen und vertraut wirkender Melodien irgendwie Grundeigenheit besitzt, einen guten Wiedererkennungswert zu entwickeln. Dabei mischen sie recht freimütig, immer jedoch bedacht die kultigen Zutaten.

Schwungvollen Hardrock mit klassischer 70er Attitüde, schleppenden Doom mit großen Gesten und schmutzig brodelnden Gitarren, leicht kauzig verschrobenen Uraltheavymetal, der eine coole Atmosphäre entstehen lässt und alleine durch die ebenso schönen, wie auch verschrobenen Melodien eine eigene Bildsprache entwickelt. Die Gitarrensoli sind herrlich, die knarzende Axt gerät richtiggehend ins Brodeln, behält aber einen angenehm von Melodien geprägten Weg bei. Großes Kino auch der Sänger, der stimmlich in verschiedene Rollen schlüpft, mal lässig, mal mit kultigem Rock’n’Roll Stimmfall, geheimnisvoll und beschwörend oder leicht neckisch verkauzt seine Protagonisten des jeweiligen Songs zu Worte kommen lässt. Und seine helle, aber auch Dreck mitnehmende Stimme ist das Gesicht der Band, der Songs.

Die sind nun mal urtypisch, mit Riffs und Beats und Strukturen, die sicher immer mal wieder im Doom und Hardrock aufgetaucht sind, seit 1968. Aber auch gewisse Momente der Vertrautheit sind der Frische des Materials nur zuträglich. Verbunden mit einer erdig lebendigen Produktion, die alle Instrumente und den Gesang vernünftig atmen lässt, hat man eine geile Wohlfühlplatte, die Landsleuten wie RITVS oder FIRMAMENT gleichauf liegt. Freude kann so einfach generiert werden.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/DyingMenClassicDoom


Pic: Ann Brew

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"