
POPA CHUBBY & FRIENDS – I Love Freddie King
2025 (Golf Coast Records / Proper / Bertus) - Stil: Blues / Texas Blues / Blues Rock
Manchmal kann Langeweile sehr wichtig sein und das Leben positiv beeinflussen. Nehmen wir als Beispiel “mich”, 14 Jahre alt und seit zwei Jahren der Rock-Musik verfallen. Eines Sonntagnachmittags war ein Familienbesuch angesagt. Wo und bei wem, weiß ich nicht mehr, ist auch rudimentär. Aus Langeweile durfte ich in das Nebenzimmer gehen, wo ein Plattenspieler und Platten herumstanden. Schnell legte ich eine mir unbekannte Band namens STAN WEBB & CHICKEN SHACK auf. ´Stan The Man´, ein Sampler aus zwei Alben der schon rockigeren Jahre von Stan Webb. Sofort hatte ich eine weitere Lieblingsband. Und ich hatte meine ersten Erfahrungen mit Blues gemacht. Schnell habe ich mir den Backkatalog von CHICKEN SHACK zugelegt und war dann bald bei ihrem Debüt ´Forty Blue Fingers, Freshly Packed And Ready To Serve´ angekommen. Bei der britischen Blues-Explosion. Christine Perfect vor ihrer Riesenkarriere mit FLEETWOOD MAC und Stan Webb, der unterschätzte Gitarrist. Schon der erste Song ´The Letter´ war von Freddie King mitgeschrieben. Noch zwei weitere Songs trugen seine Handschrift, darunter das legendäre ´San-Ho-Zay´ neben ´Hideaway´ einer der legendären Instrumental-Titel von Freddie King. Und schon war ich dem Blues verfallen.
Wo wir bei Freddie sind. Auch ich liebe Freddie King. Er war mit B.B. und Albert der dritte “Blues-King”. Alle drei mit die wichtigsten Legenden der Gitarren-, Blues- und Rock-Musik. Der 1934 als Frederick Christian in Texas geborene Freddie stand immer ein wenig im Schatten der beiden anderen Kings. B.B. war eine absolute Ikone und kam schnell zu Ruhm. Albert war zumindest immer sehr präsent, wenn es wie Ende der 60er-Jahre oder in den 80er-Jahren zum “Blues Boom” kam. Freddie hatte auch Erfolg, gerade mit den Instrumentals (´Hideaway´ wird jede/jeder kennen). Aber leider ist er auch schon 1976, als er gerade wieder richtig durchstartete, früh gestorben. In den “Top 100-Gitarristen” des Rolling Stones Magazin waren im Jahre 2003 B.B. King auf Platz 6, Albert auf 13 und Freddie auf 15. Auch hier also Nr. 3. Egal. Ich liebe Freddie (aber auch selbstverständlich B.B. und Albert). Er war ein stilprägender Gitarrist mit seinem harten Texas Blues. Er war ein unglaublich starker und gefühlsvoller Sänger mit ebenso viel Soul in der Stimme und er hatte eine starke Bühnenpräsenz. Und er spielte früh auch so etwas wie harten Rock, den er gekonnt mit dem Blues verband. Bei ´Í’m Going Down´ oder dem schon genannten ´San-Ho-Zay´. Ein Vorbild für viele, viele Musikerinnen und Musiker.
Also höchste Zeit, ihm zu huldigen. “Einen musikalischen Kniefall” zu machen, wie POPA CHUBBY das nennt. Nachdem seine Rückenprobleme auf dem Weg zur Besserung waren, hat er die lange geplante Hommage mit vielen Freunden eingespielt. Popa ist da sicher der Richtige. Er muss nichts beweisen und kann die oft sehr intelligent strukturierten Songs von Freddie interpretieren, ohne gleich in endlose Gitarren-Odysseen zu verfallen. Außerdem ist er wie Freddie ein eindrucksvoller Sänger mit viel Power und gleichzeitig einer Menge Gefühl. Mit dem vom jungen Don Nix geschriebenen ´I’m Going Down´, das Freddie früh aufnahm, wird gestartet. Ein Song, der oft gecovert wurde, auch von CHICKEN SHACK. Der den Übergang von hartem Blues zu hartem Rock beinhaltete. Es sind viele Freunde / Gäste auf dem Album. Hier einmal mehr Joe Bonamassa, der es nicht lassen kann, gleich wild zu improvisieren. Im Falle des Don Nix-Titels ist das okay.
Elf Songs hat Popa ausgewählt. Es gibt eine gute Mischung aus Standards und Klassikern und ein paar weniger bekannten Songs.
Eric Gales spielt wie immer großartig auf dem weniger bekannten ´My Credit Didn’t Go Through´. ´Big Legged Woman´ ist anschließend wieder bekannter und groovt ordentlich und zeigt eindrucksvoll die Dynamik, die die Songs von Freddie King entfesselten. ´She’ s A Burglar´ mit Mike Zito im Duett zeigt die gefühlvolle Seite von Freddie. Großartig. Dann das schon angesprochene ´Hideaway´, einer der bekanntesten Instrumental-Titel der Rockgeschichte. Ein Boogie und Shuffle, den man nicht mehr so schnell vergisst.
Mit ´The Stumble´ und dem rauen ´San-Ho-Zay´ folgen zwei weitere Instrumentaltitel, mit ´Heads Up´ gar ein vierter. Blaupausen für legendäre Gitarrenmusik. Auf den Punkt gebracht. Der gute, harte Texas Blues. Nach dem klug ausgewählten ´Same Old Blues´ ist dann leider schon Schluss. Vielleicht fehlt nur Christine Perfect a.k.a McVie, die ja leider verstorben ist.
Popa hat nicht den Fehler gemacht, die Songs zu zerlegen oder allzu sehr subjektiv zu interpretieren. Daran haben sich auch die vielen Gäste dankenswerter gehalten. Schließlich ist es eine Hommage an einen der ganz Großen und Freddies Songs hatten bei aller Dynamik und Spontanität etwas Perfektes im Vortrag, so dass es einfach schon sehr schön ist, Songs dieses großartigen Künstlers wieder einmal zu hören. Eine Hommage, die den Titel 100%ig verdient. Wir alle lieben Freddie. Eine Legende. Kauft euch auch die Original-Alben.
(Ohne Wertung, aber elf absolute Klassiker)
Pic: Phillip Ducap
(VÖ: 28.03.2025)